
Einundzwanzig kleine Geschichten aus vielen Zeiten und Kulturen. Sie zeigen im Kleinen, worum es der Aufblühenden Welt im Großen geht: um die Sicht, die wir wählen, und darum, wie viel ein Einzelner bewegt.Twenty-one small stories from many times and cultures. On a small scale they show what A World in Bloom is about on a large one: the view we choose, and how much a single person can move.
Über das UrteilenOn judging
Ein armer alter Mann besaß ein wunderschönes Pferd. Könige boten ihm jede Summe, doch er verkaufte nicht. Das Dorf schimpfte ihn dumm und stur. Er lächelte nur: „Woher wollt ihr wissen, ob es gut oder schlecht ist? Urteilt nicht, denn ihr wisst nicht, was kommt."A poor old man owned a beautiful horse. Kings offered him any sum, yet he would not sell. The village called him foolish and stubborn. He only smiled: "How do you know whether it is good or bad? Do not judge, for you do not know what is coming."
Bald war das Pferd verschwunden. „Wie schlimm!" „Fakt ist nur, dass es fort ist", sagte der Mann. Wenig später kehrte es mit fünf Wildpferden zurück. „Welch ein Glück!" „Wer weiß." Als sein Sohn eines zureiten wollte, brach er sich ein Bein. „Welch ein Unglück!" „Wer weiß." Dann brach ein Krieg aus, alle jungen Männer wurden eingezogen, nur der Sohn mit dem gebrochenen Bein nicht.Soon the horse was gone. "How terrible!" "The fact is only that it is gone," said the man. Shortly after it returned with five wild horses. "What luck!" "Who knows." When his son tried to break one in, he broke his leg. "What misfortune!" "Who knows." Then war broke out, all the young men were drafted, all but the son with the broken leg.
„Ob Glück oder Pech, wir können es nicht sagen. Warum also urteilen?""Whether fortune or misfortune, we cannot say. So why judge?"
Eine alte Überlieferung, die Markus auch in seinem Buch „Die Magie des Lebens" erzählt.An old tale that Markus also tells in his book "The Magic of Life".
Über die Sicht der anderenOn the view of others
Ein König sah, wie seine Berater stritten, weil jeder allein recht zu haben glaubte. Da ließ er einen Elefanten und fünf blinde Menschen kommen und bat jeden, einen anderen Teil zu betasten. Wer die Ohren berührte, sagte: ein Fächer. Wer den Stoßzahn fühlte: ein Speer. Wer am Bein stand: eine Säule. Wer den Schwanz hielt: ein Seil. Wer die Flanke berührte: eine Wand. Und schon stritten sie, wer denn recht habe.A king watched his advisors quarrel, each sure he alone was right. So he had an elephant and five blind people brought in, and asked each to touch a different part. The one at the ears said: a fan. The one at the tusk: a spear. The one at the leg: a pillar. The one at the tail: a rope. The one at the flank: a wall. And at once they argued over who was right.
„Jeder erkannte nur einen Teil der einen großen Wahrheit und hielt ihn für das Ganze.""Each grasped only one part of the one great truth and took it for the whole."
Wie die Blinden nehmen auch wir nur unsere eigene Sicht wahr. Die einzige Brücke zur Sicht des anderen ist einfach: ihn zu fragen, was er wahrnimmt, statt Annahmen über ihn zur Wahrheit zu erklären.Like the blind, we only perceive our own view. The one bridge to another's view is simple: to ask what they perceive, instead of declaring our assumptions to be the truth.
Eine alte indische Parabel, die Markus in „Die Magie des Lebens" erzählt.An old Indian parable that Markus tells in "The Magic of Life".
Über Himmel und HölleOn heaven and hell
Ein Mann durfte Himmel und Hölle sehen. In der Hölle saßen ausgehungerte Menschen um einen Topf voll köstlichem Essen, doch ihre Löffel waren zu lang, sie konnten sich selbst nicht füttern und darbten inmitten der Fülle. Im Himmel derselbe Topf, dieselben langen Löffel, und doch waren alle satt und fröhlich. Der einzige Unterschied: Hier fütterten sie einander.A man was allowed to see heaven and hell. In hell, starving people sat around a pot of delicious food, but their spoons were too long, they could not feed themselves and wasted away amid abundance. In heaven, the same pot, the same long spoons, and yet everyone was full and content. The only difference: here they fed one another.
„Dieselben Mittel, dieselben Umstände. Nur reichen sie sich hier gegenseitig.""The same means, the same circumstances. Only here they reach across to one another."
Eine alte Überlieferung, die in vielen Kulturen erzählt wird.An old allegory told across many cultures.
Über die Kraft des EinzelnenOn the power of one
Nach einem Sturm lagen tausende Seesterne am Strand und drohten zu vertrocknen. Ein alter Mann sah einen Jungen, der einen nach dem anderen ins Meer zurückwarf. „Es sind tausende", sagte er, „du kannst unmöglich einen Unterschied machen." Der Junge bückte sich, warf den nächsten ins Wasser und sagte: „Für diesen hier schon."After a storm, thousands of starfish lay on the beach, drying out. An old man saw a boy throwing them back into the sea, one by one. "There are thousands," he said, "you cannot possibly make a difference." The boy bent down, threw the next one into the water and said: "For this one I did."
„Für diesen hier schon.""For this one I did."
Nach einer Geschichte von Loren Eiseley.After a story by Loren Eiseley.
Über den vermeintlichen MakelOn the supposed flaw
Ein Wasserträger trug täglich zwei Krüge. Einer war heil, einer hatte einen Riss und kam nur halb voll an. Der zerbrochene Krug schämte sich für seinen Makel. Da zeigte ihm der Träger den Weg: Nur auf seiner Seite blühten Blumen. „Ich wusste von deinem Riss", sagte er, „und habe dort Samen gesät. So hast du den ganzen Weg über Blumen gegossen."A water carrier carried two pots each day. One was whole, one had a crack and arrived only half full. The cracked pot was ashamed of its flaw. So the carrier showed it the path: only on its side did flowers bloom. "I knew about your crack," he said, "and sowed seeds there. So all along the way you watered flowers."
„Gerade deine Risse lassen am Wegrand Blumen wachsen.""It is your very cracks that let flowers grow along the way."
Eine alte Überlieferung, oft aus Ostasien erzählt.An old tale, often told from East Asia.
Über Wärme statt GewaltOn warmth over force
Wind und Sonne stritten, wer stärker sei. Sie sahen einen Wanderer mit Mantel. Der Wind blies mit aller Macht, doch je heftiger er stürmte, desto fester zog der Mann den Mantel um sich. Dann schien die Sonne warm und ruhig, und nach kurzer Zeit legte der Wanderer den Mantel von ganz allein ab.Wind and sun argued over who was stronger. They saw a traveller in a coat. The wind blew with all its might, but the harder it stormed, the tighter the man wrapped his coat around him. Then the sun shone warm and calm, and before long the traveller took off his coat all by himself.
„Wärme erreicht, was Gewalt nur fester verschließt.""Warmth achieves what force only closes tighter."
Nach einer Fabel von Äsop. Sie ist das leise Herz des Gedankens „Erschaffen statt bekämpfen".After a fable by Aesop. It is the quiet heart of the idea "creating instead of fighting".
Über das Genug für alleOn enough for everyone
Hungrige Wanderer kamen in ein Dorf, doch niemand wollte teilen. Da stellten sie einen Topf Wasser aufs Feuer und legten feierlich einen Stein hinein. „Steinsuppe", sagten sie, „köstlich, es fehlt nur noch eine Prise Salz." Ein Nachbar brachte Salz. „Ein paar Karotten würden sie vollenden." Ein anderer brachte Karotten, ein dritter Bohnen, ein vierter Kräuter. Am Ende aßen alle gemeinsam eine reiche Suppe, die aus einem Stein und dem Wenigen vieler entstanden war.Hungry travellers came to a village, but no one would share. So they set a pot of water on the fire and solemnly placed a stone in it. "Stone soup," they said, "delicious, it only needs a pinch of salt." A neighbour brought salt. "A few carrots would complete it." Another brought carrots, a third beans, a fourth herbs. In the end everyone ate a rich soup together, made from a stone and the little that many had given.
„Aus dem Wenigen vieler wird genug für alle.""From the little of many comes enough for all."
Ein altes europäisches Märchen.An old European folk tale.
Über gute Taten, die zurückkehrenOn good deeds that return
Ein armer Bauernjunge hörte einen Hilfeschrei und zog einen anderen Jungen aus dem Moor, der darin zu versinken drohte. Der Vater des Geretteten, ein wohlhabender Mann, wollte sich erkenntlich zeigen und bezahlte dem Retter die Ausbildung. Der arme Junge studierte und entdeckte später ein Heilmittel, das Penicillin. Jahre danach erkrankte der reiche Sohn schwer, und ausgerechnet dieses Penicillin rettete ihm das Leben.A poor farmer's boy heard a cry for help and pulled another boy out of the moor, who was about to sink into it. The rescued boy's father, a wealthy man, wanted to show his gratitude and paid for the rescuer's education. The poor boy studied and later discovered a cure, penicillin. Years afterward the rich son fell gravely ill, and of all things it was this penicillin that saved his life.
„Unsere guten Taten sind miteinander verwoben. Wer anderen hilft, hilft am Ende auch sich selbst.""Our good deeds are woven together. Whoever helps others, in the end helps themselves too."
Eine berühmte Legende, die sich historisch so wohl nie zugetragen hat, deren Botschaft aber wahr ist. Markus erzählt sie in „Die Magie des Lebens".A famous legend that most likely never happened as told, yet whose message is true. Markus tells it in "The Magic of Life".
Über Geduld und unsichtbares WachstumOn patience and unseen growth
Der Moso-Bambus wird gepflanzt, gegossen und gepflegt, und jahrelang geschieht scheinbar nichts. Kein Halm, kein Trieb, nur nackte Erde. Wer nicht weiß, was unter der Oberfläche vorgeht, gibt entmutigt auf. Doch in dieser Zeit baut der Bambus ein gewaltiges Wurzelwerk. Und wenn er dann endlich sprießt, wächst er in wenigen Wochen viele Meter in den Himmel.The Moso bamboo is planted, watered and cared for, and for years seemingly nothing happens. No stalk, no shoot, only bare earth. Whoever does not know what is going on beneath the surface gives up, discouraged. Yet in this time the bamboo builds a vast root system. And when it finally sprouts, it grows many metres into the sky within weeks.
„Was lange unsichtbar wächst, trägt am Ende am weitesten.""What grows unseen for long carries furthest in the end."
Ein bekanntes Bild aus Ostasien.A well-known image from East Asia.
Über die Kraft, die im Ringen wächstOn the strength that grows in struggle
Ein Mann fand einen Kokon, aus dem sich ein Schmetterling zu befreien versuchte. Stundenlang zwängte er sich durch einen winzigen Spalt und kam kaum voran. Aus Mitleid schnitt der Mann den Kokon auf. Der Schmetterling schlüpfte mühelos, doch sein Körper blieb schwer und seine Flügel schwach, und er konnte nie fliegen. Denn gerade das Ringen durch die enge Öffnung hätte die Flüssigkeit aus dem Körper in die Flügel gepresst, die er zum Fliegen braucht.A man found a cocoon from which a butterfly was trying to free itself. For hours it squeezed through a tiny opening and barely made progress. Out of pity, the man cut the cocoon open. The butterfly emerged easily, but its body stayed heavy and its wings weak, and it could never fly. For it was precisely the struggle through the narrow opening that would have pressed the fluid from its body into its wings, which it needs in order to fly.
„Manche Enge ist kein Hindernis, sondern das, was uns Flügel gibt.""Some narrow places are not obstacles, but the very thing that gives us wings."
Eine oft erzählte Parabel.An often told parable.
Über die Welt als SpiegelOn the world as a mirror
Ein Hund lief in einen Tempel voller tausend Spiegel. Er sah tausend Hunde, knurrte sie an, und tausend Hunde knurrten zurück. Voller Angst floh er, überzeugt, die Welt sei voller Feinde. Kurz darauf kam ein zweiter Hund, fröhlich und mit wedelndem Schwanz. Er sah tausend fröhliche Hunde, die ihm zuwedelten, und verließ den Tempel voller Freude, überzeugt, die Welt sei ein freundlicher Ort.A dog ran into a temple full of a thousand mirrors. It saw a thousand dogs, growled at them, and a thousand dogs growled back. Full of fear it fled, convinced the world was full of enemies. Soon after, a second dog came in, happy and wagging its tail. It saw a thousand happy dogs wagging back, and left the temple full of joy, convinced the world was a friendly place.
„Die Welt spiegelt uns zurück, was wir in sie hineingeben.""The world reflects back to us what we bring into it."
Eine alte Überlieferung.An old tale.
Über das GenugOn enough
Ein Banker sah einen Fischer am Strand in der Sonne liegen, den Fang des Tages neben sich. „Warum fährst du nicht wieder hinaus?" „Wozu?" „Um mehr zu fangen, ein zweites Boot zu kaufen, eine Flotte, eine Fabrik, und reich zu werden." „Und dann?" „Dann könntest du in Ruhe am Strand liegen, die Sonne genießen und mit deinen Freunden spielen." Der Fischer lächelte: „Genau das tue ich doch gerade."A banker saw a fisherman lying in the sun on the beach, the day's catch beside him. "Why don't you go out again?" "What for?" "To catch more, buy a second boat, a fleet, a factory, and become rich." "And then?" "Then you could lie on the beach in peace, enjoy the sun and play with your friends." The fisherman smiled: "That is exactly what I am doing right now."
„Manchmal ist das Ziel längst erreicht, wir haben es nur nicht bemerkt.""Sometimes the goal is long since reached, we simply have not noticed."
Eine oft erzählte Geschichte, verwandt mit Heinrich Bölls „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral".An often told story, related to Heinrich Böll's "Anecdote on the lowering of the work ethic".
Über den eigenen TeilOn doing your part
Als der Wald in Flammen stand, flohen alle Tiere. Nur ein winziger Kolibri flog zum Fluss, nahm einen Tropfen Wasser in den Schnabel und ließ ihn über dem Feuer fallen, wieder und wieder. „Was soll das bringen?", spotteten die großen Tiere. „Du kannst den Brand niemals löschen." Der Kolibri flog weiter zum Fluss und sagte im Vorbeiflug nur: „Ich tue, was ich kann. Ich tue meinen Teil."When the forest was in flames, all the animals fled. Only a tiny hummingbird flew to the river, took a drop of water in its beak and let it fall over the fire, again and again. "What good will that do?" mocked the big animals. "You can never put out the blaze." The hummingbird flew on to the river and said only, in passing: "I do what I can. I am doing my part."
„Ich tue meinen Teil.""I am doing my part."
Eine Legende, die indigenen Völkern Südamerikas zugeschrieben wird.A legend attributed to the indigenous peoples of South America.
Über den ZornOn anger
Ein Mann ruderte über einen Fluss, als ein anderes Boot auf ihn zutrieb und mit ihm zusammenstieß. Zorn stieg in ihm auf, und er wollte schon schimpfen. Doch als er hinsah, war das andere Boot leer, nur vom Wind getrieben. Sein Zorn verrauchte augenblicklich, denn es gab niemanden, den er anschreien konnte. Oft sind die Boote, die uns rammen, ebenso leer: ein Mensch, der aus seiner eigenen Not heraus handelt, ohne uns überhaupt zu meinen.A man was rowing across a river when another boat drifted towards him and collided with his. Anger rose in him and he was about to shout. But when he looked, the other boat was empty, driven only by the wind. His anger vanished at once, for there was no one to shout at. Often the boats that ram us are just as empty: a person acting out of their own distress, without meaning us at all.
„Wären alle Boote leer, würde niemand mehr zürnen.""If all boats were empty, no one would be angry any more."
Nach einer Geschichte des Zhuangzi, auch von Thich Nhat Hanh erzählt.After a story by Zhuangzi, also told by Thich Nhat Hanh.
Über das Beste, das wir im anderen sehenOn the best we see in one another
Ein Kloster lag im Sterben, nur fünf alte Mönche waren geblieben, und sie begegneten einander müde und lieblos. Der Abt suchte Rat bei einem weisen Rabbi im Wald. Der konnte ihm nicht helfen, sagte aber zum Abschied nur einen Satz: „Ich weiß nur eines. Einer von euch ist der Erwartete."A monastery was dying, only five old monks remained, and they treated each other wearily and without warmth. The abbot sought counsel from a wise rabbi in the forest. The rabbi could not help him, but as they parted he said just one sentence: "I know only one thing. One of you is the awaited one."
Zurück im Kloster grübelten die Mönche: Wer von uns ist gemeint? Bruder Thomas? Oder gar ich selbst? Weil keiner es wusste und jeder der Erwartete sein konnte, begannen sie, einander mit tiefem Respekt zu behandeln, für alle Fälle. Besucher spürten diese seltene Ehrerbietung, kamen wieder, brachten Freunde. Junge Menschen traten ein. Und das Kloster blühte wieder auf.Back at the monastery the monks pondered: which of us is meant? Brother Thomas? Or even I myself? Because no one knew, and each one might be the awaited one, they began to treat each other with deep respect, just in case. Visitors sensed this rare reverence, returned, brought friends. Young people joined. And the monastery bloomed again.
„Weil jeder der Erwartete sein könnte, begannen sie, einander wie einen Segen zu behandeln.""Because each one might be the awaited one, they began to treat each other like a blessing."
Eine bekannte Erzählung, „Das Geschenk des Rabbis", verbreitet durch M. Scott Peck. Sie ist die gelebte Form des Gedankens von Wie du Menschen veränderst.A well-known story, "The Rabbi's Gift", popularised by M. Scott Peck. It is the lived form of the idea in How you change people.
Über Regeln, die ihren Grund verloren habenOn rules that lost their reason
Fünf Affen leben in einem Käfig, in der Mitte eine Leiter, oben Bananen. Klettert einer hinauf, wird die ganze Gruppe mit kaltem Wasser bespritzt. Bald hindern die Affen jeden daran, die Leiter überhaupt zu berühren. Nun tauscht man einen Affen gegen einen neuen. Kaum will der Neue klettern, halten ihn die anderen zurück, obwohl er nie Wasser erlebt hat. Nach und nach werden alle fünf ersetzt. Keiner der Affen im Käfig hat je das kalte Wasser gespürt, und doch klettert keiner mehr.Five monkeys live in a cage, a ladder in the middle, bananas on top. Whenever one climbs, the whole group is sprayed with cold water. Soon the monkeys stop any of them from even touching the ladder. Now one monkey is swapped for a new one. The moment the newcomer tries to climb, the others hold him back, though he has never felt the water. One by one all five are replaced. None of the monkeys in the cage has ever felt the cold water, and yet none climbs any more.
„Keiner klettert mehr, und keiner weiß mehr, warum.""None of them climbs any more, and none remembers why."
Wie viele unserer Regeln, Gewohnheiten und Sätze wie „das geht nun mal nicht" tragen wir weiter, obwohl ihr Grund längst nicht mehr besteht? Die neue Welt beginnt oft damit, eine einzige davon in Frage zu stellen und trotzdem die Leiter hinaufzusteigen.How many of our rules, habits and sentences like "that just cannot be done" do we carry on, although their reason is long gone? The new world often begins with questioning a single one of them and climbing the ladder anyway.
Ein weit verbreitetes Gedankenexperiment, angelehnt an frühe Verhaltensstudien. Es ist eher Gleichnis als belegtes Laborergebnis.A widely told thought experiment, loosely based on early behavioural studies. It is more parable than verified laboratory result.
Über die Kraft kleiner täglicher TatenOn the power of small daily deeds
In einem Dorf, in dem die Menschen einander kaum noch grüßten, beschloss eine alte Frau, jeden Tag eine einzige liebevolle Kleinigkeit zu tun: ein warmes Wort am Gartenzaun, ein Korb Äpfel vor einer fremden Tür, ein Lächeln für den mürrischen Nachbarn. Sie erwartete nichts zurück. Doch der Nachbar, überrascht von so viel Freundlichkeit, half am nächsten Tag der jungen Mutter mit dem Kinderwagen. Die Mutter buk einen Kuchen für die einsame Witwe. Jahr um Jahr wuchs aus lauter kleinen Taten ein Dorf, in das die Menschen von weither zogen, nur weil man sich dort wieder mochte.In a village where people barely greeted one another any more, an old woman decided to do a single loving small thing each day: a warm word at the garden fence, a basket of apples on a stranger's doorstep, a smile for the grumpy neighbour. She expected nothing in return. But the neighbour, surprised by so much kindness, helped the young mother with her pram the next day. The mother baked a cake for the lonely widow. Year after year, out of nothing but small deeds, grew a village people moved to from far away, simply because there they liked one another again.
„Keine große Tat hat es gebraucht, nur eine kleine, jeden Tag.""No great deed was needed, only a small one, every day."
Ein Gleichnis, wie es im Kanal Wegweiser ins Paradies erzählt wird. Es ist die gelebte Form von Liebe ist die Lösung.A parable as told in the channel Wegweiser ins Paradies. It is the lived form of love is the solution.
Über das Ja zu sich selbstOn saying yes to yourself
Ein König ging durch seinen Garten und fand ihn im Sterben. Die Eiche wollte sterben, weil sie nicht so hoch wie die Kiefer war. Die Kiefer verzweifelte, weil sie keine Trauben trug wie der Weinstock. Der Weinstock haderte, weil er nicht blühte wie die Rose. Nur ein kleines Gänseblümchen leuchtete frisch und froh. Der König fragte es nach seinem Geheimnis. „Ich dachte mir", sagte die kleine Blume, „als du mich pflanztest, wolltest du ein Gänseblümchen. Hättest du eine Eiche gewollt, hättest du eine gepflanzt. Also bin ich einfach, so gut ich kann, das, was ich bin."A king walked through his garden and found it dying. The oak wanted to die because it was not as tall as the pine. The pine despaired because it bore no grapes like the vine. The vine grieved because it did not bloom like the rose. Only a small daisy shone fresh and glad. The king asked it for its secret. "I thought to myself," said the little flower, "when you planted me, you wanted a daisy. Had you wanted an oak, you would have planted one. So I simply am, as well as I can, what I am."
„Was du ausstrahlst, beginnt damit, dass du sein darfst, was du bist.""What you radiate begins with being allowed to be what you are."
Eine alte Lehrgeschichte, oft „Der Garten des Königs" genannt.An old teaching story, often called "The King's Garden".
Über das Teilen, das heiltOn the sharing that heals
Ein Bauer gewann Jahr für Jahr den Preis für den besten Mais der Gegend. Ein Reporter entdeckte, dass er sein bestes Saatgut jedes Frühjahr an seine Nachbarn verschenkte. „Wie kannst du das tun", fragte er, „wo sie doch mit dir um den Preis wetteifern?" Der Bauer lächelte: „Der Wind trägt den Pollen von Feld zu Feld. Wenn meine Nachbarn schlechten Mais anbauen, verdirbt die Bestäubung auch meinen. Will ich guten Mais, muss ich meinen Nachbarn helfen, guten Mais zu haben."A farmer won the prize for the best corn in the region year after year. A reporter discovered that every spring he gave his best seed to his neighbours. "How can you do that," he asked, "when they compete with you for the prize?" The farmer smiled: "The wind carries the pollen from field to field. If my neighbours grow poor corn, cross-pollination spoils mine too. If I want good corn, I must help my neighbours have good corn."
„Niemand blüht allein. Wir gedeihen nur miteinander.""No one blooms alone. We thrive only together."
Eine oft erzählte Parabel aus der Landwirtschaft, im Kern eine Wahrheit über Gemeinschaft.A widely told parable from farming, at heart a truth about community.
Über die Schönheit, die von innen leuchtetOn the beauty that shines from within
Ein Mädchen namens Luna hielt sich für unscheinbar. Andere waren größer, schneller, auffälliger, und sie glaubte, übersehen zu werden. Eines Abends saß sie bei einer Kranken, hielt ihre Hand, hörte einfach zu. Am nächsten Tag erzählte die Frau allen, sie habe selten einen so schönen Menschen getroffen. Luna verstand: Was die Menschen an ihr sahen, war nichts, das man im Spiegel findet. Es war die Wärme, mit der sie da war. Diese Art Schönheit verblasst nicht, sie wächst mit jedem Mal, in dem man sie verschenkt.A girl named Luna thought herself plain. Others were taller, faster, more striking, and she believed she went unnoticed. One evening she sat with a sick woman, held her hand, simply listened. The next day the woman told everyone she had rarely met so beautiful a person. Luna understood: what people saw in her was nothing you find in a mirror. It was the warmth with which she was present. This kind of beauty does not fade, it grows with every time you give it away.
„Das schönste Licht eines Menschen ist das, mit dem er andere sieht.""The most beautiful light in a person is the one they see others with."
Eine Parabel über innere Schönheit, frei nacherzählt.A parable about inner beauty, freely retold.
Über die Einheit allen LebensOn the oneness of all life
In einer bekannten Kurzgeschichte begegnet ein Mensch nach seinem Tod einer göttlichen Stimme und erfährt eine erstaunliche Sicht: Er sei nicht nur dieses eine Leben gewesen. Nach und nach lebe er jedes Leben, das je gelebt wurde und gelebt werden wird, um langsam zu reifen. Das bedeutet: Jeder Mensch, dem er je begegnet ist, der Freund und der Fremde, der Geliebte und der Gegner, ist er selbst, in einem anderen Leben. Ohne das Buch nachzuerzählen bleibt der eine Gedanke: Was du dem anderen tust, tust du dir selbst.In a well-known short story, a person meets a divine voice after death and learns an astonishing view: they were not only this one life. Little by little they live every life that was ever lived and ever will be, in order to slowly mature. Which means: every human they ever met, the friend and the stranger, the beloved and the opponent, is themselves, in another life. Without retelling the book, one thought remains: what you do to another, you do to yourself.
„Der andere bist du. Darum ist Liebe nie an die falsche Adresse gerichtet.""The other is you. That is why love is never sent to the wrong address."
Sinngemäß nach „Das Ei" von Andy Weir. Es passt zum Herzstück von Liebe ist die Lösung.Paraphrased from "The Egg" by Andy Weir. It fits the heart of love is the solution.
Über Vergebung und DankbarkeitOn forgiveness and gratitude
Zwei Freunde wanderten durch die Wüste. Als sie in Streit gerieten, gab der eine dem anderen im Zorn eine Ohrfeige. Der Getroffene schwieg, kniete sich in den Sand und schrieb mit dem Finger: Heute hat mein bester Freund mich geschlagen.Two friends were crossing the desert. When they quarrelled, one struck the other in anger. The one who was hit said nothing, knelt in the sand, and wrote with his finger: today my best friend struck me.
Später kamen sie zu einer Oase. Der Verletzte rutschte ins tiefe Wasser und drohte zu versinken, doch sein Freund zog ihn heraus. Da nahm er einen Stein und ritzte in den Felsen: Heute hat mein bester Freund mir das Leben gerettet. Auf die Frage nach dem Warum antwortete er, man solle Kränkungen in den Sand schreiben, damit die Winde der Vergebung sie fortwehen, und Wohltaten in Stein, wo kein Wind sie je löscht.Later they reached an oasis. The hurt one slipped into deep water and began to sink, but his friend pulled him out. Then he carved into a rock: today my best friend saved my life. Asked why, he said that hurts should be written in sand, so the winds of forgiveness can blow them away, and kindnesses in stone, where no wind can erase them.
„Schreibe Kränkungen in den Sand und Dankbarkeit in den Stein.""Write hurts in the sand and gratitude in stone."
Eine überlieferte Weisheitsgeschichte.A traditional wisdom tale.
Über das Geben aus dem HerzenOn giving from the heart
Ein armes Waisenkind besaß nur die Kleider am Leib und ein Stück Brot. Unterwegs schenkte es sein Brot einem Hungrigen, seine Mütze einem frierenden Kind, und Stück für Stück auch seine Kleider, bis es fast nichts mehr hatte.A poor orphan owned only the clothes on its back and a piece of bread. Along the way it gave its bread to a hungry man, its cap to a freezing child, and piece by piece its clothes too, until almost nothing was left.
Als es in dunkler Nacht unter dem Sternenhimmel stand und selbst sein letztes Hemd verschenkte, begannen die Sterne zu fallen. Am Boden wurden sie zu blanken Talern, und das Kind trug plötzlich ein neues, warmes Kleid.As it stood beneath the starry sky at night and gave away even its last shirt, the stars began to fall. On the ground they turned to shining coins, and the child suddenly wore a warm new dress.
„Wer aus reinem Herzen gibt, auch wenn er wenig hat, wird selbst beschenkt.""Whoever gives from a pure heart, even with little, is given to in return."
Nach einem Märchen der Brüder Grimm.After a fairy tale by the Brothers Grimm.
Über die eigene GüteOn staying kind
Ein Weiser sah am Fluss einen Skorpion ertrinken und streckte die Hand aus, um ihn zu retten. Der Skorpion stach ihn, und das wiederholte sich, bis die Hand anschwoll. Ein junger Mann rief: Warum rettest du dieses undankbare Tier immer weiter?A sage saw a scorpion drowning in the river and reached out to save it. The scorpion stung him, and this repeated until his hand swelled. A young man cried: why keep rescuing that ungrateful creature?
Der Weise lächelte: Es liegt in der Natur des Skorpions zu stechen, und in meiner Natur zu helfen. Warum sollte ich meine Güte aufgeben, nur weil er seiner Natur treu bleibt? Mit einem Blatt hob er ihn schließlich sanft ans Ufer.The sage smiled: it is the scorpion's nature to sting, and mine to help. Why give up my kindness because it stays true to its nature? With a leaf he gently lifted it to the bank.
„Lass nicht das Verhalten anderer bestimmen, wer du bist.""Do not let the behaviour of others decide who you are."
Ein Sufi Gleichnis.A Sufi parable.
Über das AufstehenOn rising again
Ein alter Esel fiel in einen tiefen, trockenen Brunnen. Der Bauer hielt ihn für verloren und begann mit den Nachbarn, den Brunnen mit Erde zuzuschütten. Doch bei jeder Ladung, die auf seinen Rücken fiel, schüttelte der Esel sie ab und stieg einen Schritt darauf hinauf.An old donkey fell into a deep, dry well. The farmer thought it lost and began, with his neighbours, to fill the well with earth. But with every load that fell on his back, the donkey shook it off and stepped up onto it.
Schaufel um Schaufel wiederholte er dasselbe: abschütteln und hinaufsteigen. Was ihn begraben sollte, wurde unter seinen Hufen zu festem Grund, bis er müde, aber lebendig über den Rand stieg.Shovel by shovel he did the same: shake it off and step up. What was meant to bury him became firm ground beneath his hooves, until he stepped, tired but alive, over the rim.
„Schüttle ab, was auf dich fällt, und mach jede Last zu einer Stufe.""Shake off what falls on you, and turn every burden into a step."
Eine überlieferte Weisheitsgeschichte.A traditional wisdom tale.
Über das LoslassenOn letting go
Zwei Mönche kamen an einen reißenden Fluss, wo eine junge Frau nicht hinüber wagte. Der ältere hob sie behutsam auf die Arme, trug sie durch das Wasser und setzte sie am anderen Ufer ab. Dann gingen die beiden schweigend weiter.Two monks came to a rushing river where a young woman dared not cross. The elder gently lifted her in his arms, carried her through the water, and set her down on the far bank. Then the two walked on in silence.
Viele Meilen später platzte es aus dem jüngeren heraus: Wie konntest du diese Frau tragen, wir haben es doch nicht gelobt? Der Ältere lächelte: Ich habe sie am Ufer abgesetzt. Du aber trägst sie noch immer mit dir.Many miles later the younger burst out: how could you carry that woman, when we vowed not to? The elder smiled: I set her down at the bank. But you are still carrying her with you.
„Wahre Freiheit beginnt, wo wir ablegen, was wir längst loslassen könnten.""True freedom begins where we set down what we could have released long ago."
Nach einer Zen Geschichte.After a Zen story.